FAZ 08.03.2026
18:41 Uhr

Wahl in Baden-Württemberg: SPD muss bangen – FDP stürzt ab


Drei Parteien müssen um Einzug in den Landtag bangen +++ Hagel will noch nicht von Sieg oder Niederlage reden +++ Wahlbeteiligung deutlich gestiegen +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Wahl in Baden-Württemberg: SPD muss bangen – FDP stürzt ab

Linke bleibt wohl außen vorDie Linke hatte gehofft, in Baden-Württemberg erstmals in den Landtag einzuziehen. Aber in den Hochrechnungen steht die Partei bei 4,5 Prozent. Das dürfte kaum für den Einzug reichen. 

Die SPD tröstet sich mit einem Blick ins NachbarlandDie Sozialdemokraten haben schon eine Erklärung für ihre krachende Niederlage. „Es ging nur noch um die Frage Cem Özdemir oder Manuel Hagel. Das hat uns am Ende Stimmen gekostet“, sagt Bundesparteichef Lars Klingbeil. Und dann weist er auf die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz in zwei Wochen hin. Dort könnte der Fokus auf das Duell von Ministerpräsident Schweitzer (SPD) mit seinem CDU-Herausforderer Schnieder den Sozialdemokraten helfen, so die Botschaft.

Özdemir versöhnlich, CDU kämpferischCem Özdemir will sich noch nicht zum Wahlsieger erklären. Aber er spricht schon wie einer, der von seinem Wahlsieg ausgeht und nun einen Koalitionspartner gewinnen muss. „Der Wahlkampf ist zu Ende. Jetzt gilt es, dass wir gemeinsam ein neues Kapitel aufschlagen.“ Der CDU-Politiker und Kanzleramtschef Thorsten Frei sagt hingegen: Die Grünen hätten die falschen politischen Ziele. 

SPD-Landeschef kündigt Rückzug anSpitzenkandidat Andreas Stoch kündigt seinen Rückzug als Landes- und Fraktionschef an, heißt es aus der Partei. Die SPD ist nur noch etwa halb so stark wie bei der letzten Landtagswahl, bei der sie auch schon unter den eigenen Erwartungen geblieben war. Heute Abend müssen die Sozialdemokraten sogar bangen, weiter im Landtag vertreten zu sein. 

Langer Jubel für ÖzdemirDer Grünen-Kandidat tritt vor seine Parteifreunde und feiert seine „fulminante Aufholjagd“. Von einem Sieg will er noch nicht sprechen. „Der Baden-Württemberger ist skeptisch“, ruft er. Deshalb wolle er abwarten Denn ganz sicher ist ein Sieg der Grünen noch nicht. „Das was wir schon wissen, darüber kann man sich wirklich freuen\", sagte Özdemir. Aber dann spricht er doch davon, wie er das „Land führen“ möchte. 

Liberale bangen in StuttgartFür die FDP ist Baden-Württemberg ein sehr wichtiges Bundesland. Spitzenkandidat Hans-Ulrich Rülke hat angekündigt, die Verantwortung zu übernehmen, sollten die Liberalen in Stuttgart tatsächlich aus dem Landtag fliegen. In den ersten Hochrechnungen steht die FDP bei ARD und ZDF bei 4,5 Prozent. Rülke hatte von einer „Schicksalswahl“ gesprochen. 

Wer wird zusammen regieren?Die aktuellen Hochrechnungen lassen eigentlich nur eine neue Koalition zu: und zwar die alte. Grüne und CDU haben zusammen auch im neuen Landtag eine komfortable Mehrheit – das steht fest, auch wenn das genaue Ergebnis noch lange auf sich warten lassen wird. Eine rechnerisch mögliche Koalition von CDU und AfD haben die Christdemokraten ausgeschlossen. 

Grüne knapp vorneJetzt gibt es auch im ZDF Zahlen, die den Grünen gefallen dürften. Laut der ersten Hochrechnung liegt die Partei mit 1,4 Prozentpunkten vor der CDU: 31,7 Prozent zu 30,3 Prozent.  Gemäß den Zahlen der ARD liegen die Grünen mit 2,5 Prozentpunkten vor den Christdemokraten in der ersten Hochrechnung. Sehr eng wird es für die SPD. Sie liegt in dieser Hochrechnung bei 5,4 Prozent. Diese Hochrechnungen enthält erste Auszählungsergebnisse, beruht also nicht nur auf Umfragen. 

Hohe WahlbeteiligungEines ist übrigens schon klar bei allem Gezitter: Die Wahlbeteiligung ist gestiegen - auf über 70 Prozent laut Infratest dimap. Das ist das Unternehmen, das für die ARD die Zahlen erhebt.

Hagel spricht noch nicht von Sieg und NiederlageDer CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel dankt allen Wählern, die für die CDU gestimmt haben. Die CDU war davon ausgegangen, die Wahl zu gewinnen. Doch in den vergangenen Tagen holten die Grünen auf – und liegen nun in den Prognosen vorne. Entsprechend geknickt klingt Hagel. „Die letzten Wochen waren für meine Frau, meine Familie, für mich, eine enorme Belastung\", sagt Hagel. 

Rekord bei der AfD, aber wohl dennoch Enttäuschung in der ParteiDie AfD bleibt wohl unter 20 Prozent, dabei ist ihr Spitzenkandidat angetreten, um Ministerpräsident zu werden. Doch unter Markus Frohnmaier entschieden sich weniger als ein Fünftel der Wähler für die AfD. Dennoch erzielt sie ihr bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl in Baden-Württemberg. In Prognosen steht die Partei gerade bei etwa 18 Prozent – etwa doppelt so hoch wie vor fünf Jahren. Vor zehn Jahren lag die Partei schon einmal bei 15 Prozent in Baden-Württemberg. 

Grüner Jubel in StuttgartDie frühere Parteichefin Ricarda Lang nennt das Ergebnis jetzt schon „historisch“. Auch sie, eine eher linke Grüne, hat im Südwesten viel Wahlkampf für den Realo Cem Özdemir gemacht. Den aktuellen Zahlen zufolge dürfte er der nächste Ministerpräsident werden. Ricarda Lang warnt aber auch: Der Abend ist noch lang.

Begeisterung bei den Bundes-GrünenAusgelassene Stimmung auch bei den Grünen in Berlin. „Was für ein krasses  Zeichen“, sagt Parteichefin Franziska Brantner, „dass ein anatolischer Schwabe bald Ministerpräsident in Baden-Württemberg sein kann!“ Bundesparteichef Felix Banaszak ruft voller Freude: „Mit den Grünen ist zu rechnen in diesem Land.“